Best Practice

5G Inklusion 4.0

01.05.2021 - 30.04.2023

Projekttitel:
5G Wissensbasierte Assistenzsysteme Inklusion 4.0

Fördergeber:
Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Konsortialführer:
Gesellschaft für Bildung und Beruf e.V. – GBB

Projektkonsortium:
Gesellschaft für Bildung und Beruf e.V. – GBB, Iserlohner Werkstätten gGmbH, University of Europe for Applied Sciences (UE) Campus Iserlohn

Projektbeschreibung:

Ausgangslage und Problemstellung, Stand der Technik und Patentsituation

Artikel 27 der UN-Behindertenrechtskonvention beschreibt das Recht behinderter Menschen auf Arbeit auf der Grundlage der Gleichberechtigung mit anderen. Die Verwirklichung dieses Rechts bedeutet die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen in den ersten Arbeitsmarkt in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung oder die Beschäftigung in einem Außenarbeitsplatz einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM). Dabei wird selbst die gesetzlich vorgeschriebene Beschäftigungsquote Schwerbehinderter Menschen in Unternehmen von 5% auch im Jahr 2019 nicht erreicht. Von einer echten Inklusion behinderten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt ist Deutschland weit entfernt.

Auf der anderen Seite finden viele Unternehmen keine Mitarbeitenden mehr. Laut Studien des Bundesamtes für Arbeit und des Deutschen Industrie und Handelstages sind allein im Bereich der Gastronomie und in Pflegebereich 29% aller Ausbildungsplätze unbesetzt. Digitale Assistenzsysteme eröffnen weitreichende Perspektiven für Menschen mit Beeinträchtigungen auf den ersten Arbeitsmarkt.

5G fähige Assistenzsysteme wie bspw. Pick-By-Light, VR, AR und Smart Glases können offline erfolgreich genutzt werden. Dies konnte in laufenden Forschungsprojekten der GBB und der University of Applied Sciences nachgewiesen werden. Die Vernetzung dieser Systeme mit den neuen technischen Möglichkeiten von 5G bietet das Potential für eine dezentrale Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen durch moderne, ergänzende Wissensmanagement-Systeme.

Strategische Verankerung

Erwartet werden in dem Projekt validierte erfolgreiche Einsatzszenarien und Geschäftsmodelle von 5G -Anwendungen am Arbeitsplatz, die es Menschen mit kognitiven Einschränkungen erlaubt, verstärkt am Arbeitsleben teilzunehmen, den Anbietern digitaler wissensbasierter Assistenzsysteme die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ermöglicht und den anwendenden Betrieben die Möglichkeit eröffnet, auch minderqualifiziertes Personal zu beschäftigen.

Mit dem Projekt können die bisherigen technologischen Grenzen in Bezug auf vernetzte Assistenzsysteme überwunden und erstmals synchrone Formen des Wissensmanagements innovativ mit intelligenten Devices an dezentralen Arbeitsorten insbesondere im Produktionsumfeld verbunden werden.

Nordrhein-Westfalen wäre Vorreiter, Menschen mit kognitiven Einschränkungen in das Arbeitsleben mit einem neuartigen Wissensmanagementsysteme 4.0 zu integrieren, die nachfragenden Unternehmen könnten ihre Fachkräfte entlasten, neues Personal gewinnen und für die Technologieanbieter rund um 5 G und digitaler Assistenzsysteme ergeben sich neue Geschäftsfelder.

Begrenzung der bisherigen Ansätze

Die Ergebnisse aus den Vorarbeiten sind ermutigend und zeigen die Potenziale der Assistenzsysteme auf. Allerdings sind diese bisher als „stand alone“ Lösung im Einsatz. Eine Vernetzung dieser Systeme würde einen deutlichen Zugewinn bedeuten.

Eine derartige Vernetzung der assistiven Systeme ist mit den bisher zur Verfügung stehenden Technologien wie 4G, WLAN und andere, nur sehr eingeschränkt möglich. Den bisherigen Techniken mangelt es unter anderem an Stabilität, Geschwindigkeit. Soll bspw. der „digitale Blick über die Schulter“ mit Hilfe einer Datenbrille eine echte Unterstützung sein und nicht neue Probleme schaffen, muss diese Technik „unsichtbar“ sein. Fragen der Geschwindigkeit und Stabilität dürfen keine Rolle spielen: Eigenschaften, die 5G zur Verfügung stellt.

Zielsetzung

In einem Testbed, einer experimentellen, technischen Entwicklungsumgebung, sollen im Rahmen des Projektes Einsatzmöglichkeiten und Funktionalität von 5G Technologie mit den zugehörigen Devices an einem konkreten Einsatzort und Realbedingungen erforscht werden.

Mit dem Anwendungspartner sollen neben technischen Themen und Fragen der Akzeptanz insbesondere die sinnvolle Einbindung von 5G basierten Assistenzsystemen in typischen Tätigkeiten erforscht werden.

Mit Hilfe eines Campusnetzes, das an einem oder mehreren Standorten der Iserlohner Werkstätten errichtet wird, können 5G Technologien getestet werden, ohne dass ein öffentliches 5G Netz zur Verfügung stehen muss.

Die Ziele des Forschungsprojektes sind unter anderem

  • Erprobung von 5G basierten Assistenzsystemen.
  • Überprüfung der Funktionalität: was ist tatsächlich und wie möglich.
  • Überprüfung der Akzeptanz dieser Techniken im beschriebenen Umfeld
  • Generierung von Beiträgen, die die Technik für die Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigungen leistet.
  • Generierung von Tätigkeiten die mit 5G Inklusion Technologien unterstützt werden.
  • Aufzeigen von Vorteilen, die sich für Betriebe und Werkstätten abzeichnen.
  • Entwicklung von Konzepten zum Einsatz der Technologien im Kontext von Inklusion und Aussagen zur Übertragbarkeit
  • Aufzeigen von Beiträgen der Techniken zur Unterstützung der Einrichtung von Außenarbeitsplätzen

 

Hier finden Sie ein Interview zum Projekt mit Prof. Dr. Behrendt im Deutschlandfunk:

Ansprechpartner

Kay Sendelbach
Wiss. Mitarbeiter
Dr. Bärbel Winter
Leitung Forschungsbereich Digitale Medien